• nadineweiland

Der achtgliedrige Pfad des Patañjali

Die Yoga Sutras (Sutra = Leitfaden) von Patañjali haben für den "klassischen Yoga" eine zentrale Bedeutung. Wann genau Patañjali die Yoga-Sutras schrieb und wann genau er lebte, ist nicht bekannt. Es wird geschätzt, dass die Yoga-Sutras, in denen Patañjali sein Yogawissen niedergeschrieben hat, zwischen 200 v. Chr. und 200 n. Chr. aufgezeichnet wurden.


In den Yoga-Sutras geht es Patañjali um den menschlichen Geist und darum, was ihn unklar macht, was sein inneres Wachstum und seine Selbsterkenntnis behindert. Um diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, entwickelte Patañjali einen achtgliedrigen (asht anga) Pfad, einen Yoga-Übungsweg, der für jeden verständlich und auch heute noch aktuell ist.


  1. Yama - die fünf Enthaltungen – der Umgang mit anderen und der Welt

  2. Niyama - die fünf Verhaltensregeln – der Umgang mit sich selbst

  3. Asana - Körperhaltungen – Yoga-Asanas

  4. Pranayama - Atemkontrolle

  5. Pratyahara - der Rückzug der Sinne

  6. Dharana - Konzentration

  7. Dhyana - Meditation

  8. Samadhi - Zustand des erfüllten Friedens

Yama - Umgang mit anderen und der Welt

Die erste Stufe des achtgliedrigen Pfades von Patañjali ist Yama. Sie befasst sich mit dem Umgang mit anderen und der Umwelt und ist wie folgt strukturiert:


  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit. Sie befasst sich mit dem bewussten und rücksichtsvollen Umgang mit allen Lebewesen, wobei wir darauf achten sollten, keinem Lebewesen Schaden zuzufügen und uns selbst und anderen gegenüber mit Liebe zu handeln.

  • Satya: Wahrheit. Beschreibt den Umgang grundsätzlich mit Offenheit und Wahrhaftigkeit.

  • Asteya: nicht stehlen. Weist uns darauf hin, dass wir bewusst mit dem "Habenwollen" umgehen und unser Begehren aufgeben, besonders für Dinge, die uns nicht gehören.

  • Brahmacharya: Charya = Lebensweise. Beschäftigt sich mit dem richtigen Maß des Handelns. Dies sollte auch in Bezug auf die Sexualität berücksichtigt werden. Es sollte verhindert werden, dass Sexualität uns geistig dominiert und wir uns in ihr verlieren.

  • Aparigraha: nicht Horten. Hier geht es darum, nur so viel zu besitzen, wie wir tatsächlich brauchen. Da Besitz bekanntlich eine Last ist, müssen sich diejenigen, die sich mit wenig zufriedengeben, weniger Sorgen machen und können sich den wirklich wichtigen Dingen im Leben widmen.

Niyama - Umgang mit sich selbst

Die zweite Stufe des achtstufigen Pfades von Patañjali gibt uns Anregungen, wie wir mit uns selbst umgehen können:


  • Shauca: Reinheit. Patañjali schlägt uns vor, unseren Körper, unseren Geist und unsere Umwelt rein zu halten. Dies beinhaltet, dass wir aufhören sollen, uns über die Vergänglichkeit unseres Körpers Sorgen zu machen, und uns auf unsere innere Schönheit konzentrieren sollen.

  • Santosha: Bescheidenheit. Beschreibt die Zufriedenheit mit sich selbst. Wir sollten mit dem zufrieden sein, was wir haben, unser Leben in allen Bereichen wertschätzen und aufhören, nach Dingen zu streben, die wir nicht haben oder nicht sind. Es ist wichtig, dass wir lernen, uns selbst zu schätzen und uns so zu akzeptieren, wie wir sind. Nur wenn wir zufrieden sind, können wir zur Ruhe kommen.

  • Tapas: Hitze, Glut, Askese. Mit Tapas ist sowohl Disziplin als auch ständige Anstrengung gemeint. Zum einen dürfen wir den inneren Antrieb nicht verlieren, der uns motiviert, im Prozess der Selbstfindung anstrengende oder gar unangenehme Erfahrungen zuzulassen. Zum anderen sollten wir diszipliniert sein, damit wir auf diesem Weg vorankommen.

  • Svadhyaya: Selbststudium, Selbstreflexion. Wir sollten uns immer bewusst sein, wo wir sind, was uns bewegt und was uns beschäftigt. Dabei sollten wir eine ständige Achtsamkeit in Bezug auf unser Verhalten entwickeln.

  • Ishvara Pranidhana: Hingabe an Gott. Das bedeutet die Entwicklung des Vertrauens in eine höhere Macht, die uns leitet. Von der Hingabe an das Göttliche spricht auch Patañjali. Er schildert Gott als einen Lehrer, der keine Fehler macht und uns führt. Auch sollten wir darauf vertrauen, dass der Übungsweg des Yoga funktioniert.


Asanas - Körperhaltungen

Asanas sind die dritte Ebene des achtstufigen Pfades. Wörtlich übersetzt bedeutet Asana "der Sitz", denn ursprünglich gab es nur diese eine Asana. Asanas geben den Gliedern Standhaftigkeit, Gesundheit und Leichtigkeit. Eine feste und bequeme Haltung schafft Gleichgewicht und zentriert unsere Gedanken. Sie fördern Flexibilität, Ausgeglichenheit und Ausdauer und trainieren und disziplinieren unsere Gedanken, machen den Körper stark und elastisch, schützen ihn vor Krankheiten, verringern Müdigkeit und beruhigen die Nerven.



Pranayama - Atemkontrolle

Prana bedeutet Atem oder auch Lebensenergie, Ayama bedeutet Länge oder Ausdehnung. Pranayama bedeutet die Ausdehnung des Atems und seine Kontrolle. Pranayama ist die vierte Stufe des achtgliedrigen Pfades und bezieht sich auf alle Funktionen des Atems:

  • Einatmen (Puraka)

  • Ausatmung (Rechaka)

  • Anhalten (kumbhaka)

  • Anhalten nach vollständiger Einatmung, d.h. bei gefüllter Lunge (antar kumbhaka)

  • Anhalten der Atmung nach vollständiger Ausatmung (bhaja kumbhaka)

Unser Atem ist der Spiegel des menschlichen Wohlbefindens. Wenn unser Geist unruhig ist, kann uns die Pranayama helfen, unsere Gedanken wieder zu beruhigen. Beim Pranayama handelt es sich um ein sehr komplexes System von Atemtechniken, die anregend, beruhigend, wärmend und kühlend wirken und auch innere Blockaden lösen können.


Pratyahara - der Rückzug der Sinne

"Wenn der Verstand eines Menschen dem Druck der Sinne nachgibt, ist er verloren. Bei rhythmischer Atemkontrolle hingegen wenden sich die Sinne nach innen, anstatt äußeren Objekten der Begierde hinterherzulaufen. So wird der Mensch frei von der Tyrannei der Sinne. Dies ist die fünfte Ebene des Yoga: Pratyahara, wo die Sinne unter Kontrolle gebracht werden. - B:K:S: Iyengar: Licht auf Yoga -

Dhyana - Meditation

Die Stufe Dhyana ist die siebte Stufe des achtstufigen Pfades von Patañjali. Ganz einfach "SEIN" im Hier und Jetzt! Bei der Meditation geht es darum, dass wir unsere tatsächlichen Denkmuster ändern. Im Zustand der Meditation vergessen wir alles um uns herum und sehen die Welt mit anderen Augen. Wir können zum Beispiel in uns selbst schauen und uns so sehen und akzeptieren, wie wir sind. Durch Meditation können wir allmählich unsere Ansichten ändern, unsere Achtsamkeit schärfen und in die Tiefen des Unterbewussteins eindringen.



Samadhi - Zustand des erfüllten Friedens

Samadhi ist die achte Stufe des achtgliedrigen Pfades und zugleich das Ziel des Yoga-Weges. Dieses Ziel besteht darin, dass wir eins mit uns selbst und der Welt sind. Im Samadhi richtet sich unsere Aufmerksamkeit nicht mehr auf das, was uns von anderen Dingen oder Menschen trennt, sondern auf das, was uns mit ihnen verbindet. In Samadhi hören wir auf zu kämpfen, zu versuchen und zu tun. Es beschreibt den Zustand von Offenheit, Hingabe und Akzeptanz. Es schenkt uns ein Vertrauen, das so stark ist, dass wir nicht mehr ständig alles kontrollieren müssen und das vollständige Gefühl der Freiheit erleben.



Villeicht interessieren dich auch folgende Artikel:

Mind-Body Connection: warum Gedanken uns krank machen

Die 4 Hauptrichtungen des Yoga


21 Ansichten